Studienführer Universität Bern

Doktorat

Der Doktoratsabschluss (PhD) ist der nächste akademische Grad nach dem Master.

Eine Dissertation ist ein anspruchsvolles Projekt, das Ihnen viel Zeit, Energie und Durchhaltevermögen abverlangt. Daher ist es wichtig, sich im Vorfeld mit der eigenen Motivation für oder gegen eine Dissertation sorgfältig auseinanderzusetzen. Unsere Informationen und Hinweise können Ihnen dabei nützlich sein.

Aktuell ist es nur an universitären Hochschulen möglich, ein Doktorat zu machen. Voraussetzung dafür ist in der Regel ein anerkannter universitärer Master-Abschluss mit guten Noten. Bei hinreichender wissenschaftlicher Qualifikation ist der Zugang aber auch mit einem Master-Abschluss eines anderen Hochschultyps möglich (vgl. swissuniversities, Stellungnahme der Schweizer Universitäten zum Doktorat). Wer zum Doktorat zugelassen wird, entscheiden die zuständigen akademischen Verantwortlichen der entsprechenden universitären Hochschule. Es besteht grundsätzlich kein Anspruch darauf, in die Doktoratsstufe aufgenommen zu werden.

Eine Dissertation kann entweder im Rahmen eines freien Doktorats verfasst werden oder in der strukturierten Form einer Graduate School oder eines Doktoratsprogramms.

Für Ihre Entscheidungsfindung, eine Disseration zu machen oder nicht, bieten wir Ihnen hier einige Anregungen und Hilfestellungen zu möglichen Laufbahnvorstellungen, zum Stellenwert des fachlichen Interesses und zum Einbezug der persönlichen Lebenssituation.

Laufbahnvorstellungen

Dazu gehört die Überlegung, ob eine wissenschaftliche Qualifikation, wie sie eine Dissertation darstellt, für Ihre weitere berufliche Laufbahn wichtig oder sogar notwendig ist. Wenn Sie eine Hochschulkarriere anstreben, ist eine Dissertation beispielsweise unabdingbar. Aber auch in Forschungszentren ausserhalb der Universität wird ein Doktoratsabschluss häufig vorausgesetzt.

Zudem wird je nach Studienfach und Fakultät der Stellenwert eines Doktorats unterschiedlich beurteilt. An der medizinischen Fakultät schliesst der grösste Teil der Studierenden mit dem Doktorat ab, der Doktortitel ist nach wie vor Teil der beruflichen Identität und wird von den PatientInnen auch so wahrgenommen. In den naturwissenschaftlichen Disziplinen wird ein Doktoratsabschluss oft gewünscht. Immerhin schreibt an der naturwissenschaftlichen Fakultät noch ein gutes Drittel der AbsolventInnen eine Dissertation. An den übrigen Fakultäten ist der Anteil der Doktorierenden deutlich kleiner, der Stellenwert einer Dissertation hat in diesen Disziplinen je nach Kontext unterschiedliches Gewicht.

Fachliches Interesse

Die Entscheidung für eine Dissertation sollte sich zudem am persönlichen fachlichen Interesse orientieren. Dazu gehören beispielsweise das Interesse am gewählten Thema, aber auch Freude an Tätigkeiten, die das wissenschaftliche Arbeiten ausmachen. Das Schreiben selbst und der Umgang mit Texten sollten Ihnen leicht fallen. Ausserdem sollten Sie eine hohe Motivation mitbringen, gestellte Forschungsfragen theoretisch zu analysieren und differenzierte Lösungsansätze zu deren Bearbeitung zu entwickeln. Wichtig ist auch die Bereitschaft, gemäss den vorgegebenen methodologischen Vorgehensweisen des jeweiligen Fachgebiets zu arbeiten.

Persönliche Lebenssituation

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Dissertation sollte auch die private Lebenssituation einbezogen werden: Lässt sich beispielsweise ein Doktoratsstudium mit Ihrer familiären Situation oder Ihnen wichtigen Freizeitaktivitäten vereinbaren? Würde Ihre Entscheidung von Ihrem Umfeld unterstützt und mitgetragen? Und schliesslich sind auch ökonomische Aspekte zu berücksichtigen. Da Doktorandengehälter meistens nicht sehr hoch sind, gilt es zu überlegen, ob es für Sie machbar ist, für etwa weitere drei bis vier Jahre mit einem eher geringen Einkommen auszukommen.

Ebenso unterschiedlich wie der Stellenwert des Doktorats an den verschiedenen Fakultäten sind die Arbeitsbedingungen der einzelnen DoktorandInnen. Sowohl der zeitliche Aufwand als auch die Betreuungssituation gestalten sich individuell in Abhängigkeit vom Dissertationsthema, der Betreuungsperson sowie den ökonomischen und sozialen Arbeitsbedingungen.

Aus dieser Vielfalt von Kriterien ergibt sich eine komplexe individuelle Ausgangssituation. Es ist daher wichtig, sich für den Entscheidungsprozess genügend Zeit zu nehmen, müssen doch viele Aspekte gegeneinander abgewogen werden. Falls dies gewünscht ist, kann auch die Beratungsstelle der Berner Hochschulen in solch komplexen Entscheidungssituationen professionelle Hilfestellung bieten.

Es gilt nun, Ihr Thema zu suchen bzw. einzugrenzen und einen Doktorvater/eine Doktormutter für Ihr Projekt zu gewinnen. Danach folgt die Immatrikulation als DoktorandIn an der entsprechenden Universität.

Themensuche und Erstellen eines Grobkonzepts

Der Entscheid für das Schreiben einer Dissertation ist meist mit dem Interesse an einem bestimmten Fachgebiet verknüpft. Es gilt nun, dieses Thema zu konkretisieren, einzugrenzen und schliesslich ein Grobkonzept zu erstellen, damit Sie bei der Suche einer Betreuungsperson argumentieren können.

Suche des Doktorvaters/der Doktormutter

Wenn Sie in ein Forschungsprojekt eingebunden sind oder eine Assistenzstelle an einem Lehrstuhl innehaben, ist Ihr Arbeitgeber meist auch Ihr Doktorvater. Damit entfällt für Sie die Suche nach einer geeigneten Betreuungsperson.

Andernfalls müssen Sie aktiv einen Professor/eine Professorin suchen, der/die bereit ist, die Betreuung Ihrer Dissertation zu übernehmen.

Bei der Wahl des Erstbetreuers (Doktorvaters) bzw. der Erstbetreuerin (Doktormutter) besteht ein grosser individueller Spielraum. Es geht darum, eine Person zu finden, die an Ihrem Dissertationsthema Interesse hat und aufgrund eigener Forschungstätigkeit auch fachliche Impulse geben kann. Der Erstbetreuer/die Erstbetreuerin muss Mitglied der Fakultät sein, in der Sie promovieren möchten, und ist meistens ein Professor/eine Professorin, manchmal sind aber auch Privatdozierende (PDs) zur Leitung einer Dissertation zugelassen. Diese müssen nicht mit der Universität verbunden sein, an welcher Sie Ihren Studienabschluss gemacht haben, sondern können an anderen in- oder auch ausländischen Universitäten tätig sein.

Neben einem Doktorvater/einer Doktormutter braucht es auch einen Ko-Referenten bzw. eine Ko-Referentin. Als Ko-ReferentInnen können Mitglieder anderer Universitäten oder aus der Berufspraxis angefragt werden; sie müssen allerdings habilitiert sein. Ko-ReferentInnen müssen nicht gleich zu Beginn des Doktoratstudiums feststehen; sie können auch erst angefragt werden, wenn die Arbeit fortgeschritten ist und der Termin des Abschlusses geplant werden kann.

Die Art der Dissertationsbetreuung ist nicht gesamtuniversitär reglementiert. Sie wird je nach Betreuungsperson unterschiedlich gehandhabt und ist mit dieser zu besprechen bzw. zu verhandeln. Vor dem Entscheid für eine bestimmte Betreuungsperson ist es deshalb wichtig, die eigenen Bedürfnisse zu klären:

  • Wie sieht für mich die ideale Betreuung aus?
  • Arbeite ich gerne selbständig oder brauche ich regelmässige Standortbestimmungen, damit ich motiviert schreiben kann?
  • Wie wichtig ist es mir, mit den anderen DoktorandInnen im Gespräch zu sein?
  • Wünsche ich mir institutionalisierte Austauschmöglichkeiten wie Seminare, Fachkolloquien?

Wenn Sie diese Fragen für sich reflektiert und ev. mit anderen Studierenden diskutiert haben, sind Sie soweit, mit dem Professsor/der Professorin Ihrer Wahl einen Gesprächstermin zu vereinbaren.

Bei der Suche des Erstbetreuers oder der Erstbetreuerin müssen Sie selbst die Initiative ergreifen. Die meisten LehrstuhlinhaberInnen sind interessiert daran, eine Gruppe von DoktorandInnen zu betreuen; Sie stossen also in der Regel auf offene Ohren!

Die wenigsten Doktorierenden können ihre Dissertation privat finanzieren, beispielsweise mit Hilfe der Eltern oder des Partners/der Partnerin. Häufig bildet eine Anstellung an der Uni, eine Teilzeitarbeit in der ausserakademischen Berufswelt oder ein persönliches Stipendium die ökonomische Basis. Die Universitäten bieten Doktorierenden dabei zwei Arten von akademischen Stellen an: von der Universität bezahlte Assistenzstellen und durch Drittmittel finanzierte Forschungsprojektstellen.

Assistenzstelle

AssistentInnen haben gemäss Reglement das Recht, einen gewissen Teil ihrer bezahlten Arbeitszeit für ihr Dissertationsprojekt aufzuwenden. In der Praxis ist dies oft nur schwer möglich, weil die anfallenden Arbeiten des Lehrstuhls die ganze Arbeitszeit beanspruchen.

Es ist wichtig, diese Situation mit dem Arbeitgeber zu klären. So kann beispielsweise vereinbart werden, dass während der Semesterferien mehr Arbeitszeit für die Dissertation eingesetzt werden darf, dafür wird während des Semesters die eigene Forschungstätigkeit zurückstehen müssen.

Neben der oftmals starken Arbeitsbelastung am Lehrstuhl bringen Assistenzstellen auch Vorteile mit sich: Sie erleichtern Doktorierenden die Integration ins akademische Umfeld, stellen die universitäre Infrastruktur zur Nutzung zur Verfügung und begünstigen aufgrund der Mitarbeit in Lehre und Forschung den Einstieg in eine akademische Laufbahn.

Drittmittelstelle in einem Forschungsprojekt

Eine weitere häufig genutzte Möglichkeit zur Finanzierung des Doktorats sind sog. Drittmittelstellen in Forschungsprojekten, bei denen Doktorierende über organisationsexterne Mittel, insbesondere über Gelder des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), finanziert werden.

Die Gelder für diese Projekte werden nicht von den Doktorierenden selbst, sondern von der Projektleitenden, z.B. von Professoren und Professorinnen, beantragt. Die Doktorierenden arbeiten dabei in einem bestehenden Forschungsprojekt mit und können einen Teil ihrer Arbeitszeit für die Dissertation reservieren. Manchmal sehen diese Stellen neben der Arbeit im Projekt auch eine Beteiligung an universitären Aufgaben (z.B. Lehre und Verwaltung) vor. Auch hier gilt: Ihr Arbeitgeber entscheidet, unter welchen Bedingungen Sie doktorieren, also sprechen Sie in Ihrem Bewerbungsgespräch darüber, wie er/sie sich Ihre Anstellung vorstellt!

Drittmittelstellen haben ähnlich wie die Assistenzstelle den Vorteil, dass sie die Einbindung ins akademische Umfeld erleichtern und die universitäre Infrastruktur genutzt werden kann. Im Gegensatz zu den Assistenzstellen kann jedoch ein grosser Teil der bezahlten Arbeitszeit für die Dissertation verwendet werden, dafür fällt die Bezahlung schlechter aus als bei den Assistenzstellen und die Anstellungsdauer ist in der Regel kürzer.

Anstellung innerhalb eines strukturierten Doktoratsprogramms

Es gibt in seltenen Fällen die Möglichkeit, sich auf ein Stipendium, das von einem Doktoratsprogramm oder von einer Graduiertenschule vergeben wird, zu bewerben. Der Vorteil dabei ist die Einbindung in ein strukturiertes Programm, andererseits ist dies aber oft an die Verpflichtung gebunden, aktiv am Programm mitzuwirken.

Ausseruniversitäres Forschungsprojekt

Es ist unter Umständen möglich, eine Dissertation im Rahmen eines ausseruniversitären Forschungsprojekts - im Rahmen einer Anstellung - zu schreiben (z.B. bei grossen Organisationen wie der Post, der chemisch-pharmazeutischen Industrie). Fragen lohnt sich! Die Betreuung findet jedoch wie bei den anderen Modellen am Lehrstuhl einer Universität statt.

Eigenes Forschungsprojekt

Schliesslich gibt es die Möglichkeit, ein persönliches Stipendium für ein eigenes Dissertationsprojekt zu beantragen. Eigene Dissertationsprojekte werden in der Regel vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF), den Universitäten oder von privaten Stiftungen vergeben. Einen guten Überblick über die Finanzierungsmöglichkeiten von Dissertationen finden Sie in der Broschüre „Erfolgreich promovieren – Leitfaden für Doktorierende“, S. 31-34 (Download unter: Weiterführende Infos).

Dissertation in der Freizeit schreiben

Falls Sie eine gut bezahlte Teilzeitstelle ausserhalb der Universität innehaben oder Sie aus Gründen der Arbeitsteilung mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin nicht ausser Haus arbeiten, besteht die Möglichkeit, eine Dissertation zu Hause in Ihrer Freizeit zu verfassen.

Die letztgenannten beiden Modelle haben neben einem grossen persönlichen Freiraum den Nachteil, dass Sie sich die Kontakte zu Forschenden selber organisieren müssen.Hier wäre es nützlich, eine Betreuungsperson anzufragen, die ihrerseits eine Infrastruktur für DoktorandInnen anbietet (z. B. regelmässige Treffen der DoktorandInnen, die den Stand ihrer Arbeit zur Diskussion stellen).
Mehr Infos finden Sie auf der Webseite des Schweizerischen Nationalfonds (Link unter: Weiterführende Infos).

Motivations- und Schreibkrisen sind bei längeren Schreibprojekten normal. Es wird Phasen geben, wo Sie zweifeln und Ihre Arbeit ins Stocken gerät. Dann gibt Beratungsangebote von Fachleuten, die Sie unterstützen können. Zudem ist es sinnvoll, sich private Austauschmöglichkeiten zu schaffen wie regelmässige Treffen mit anderen DoktorandInnen oder mit bestimmten Fachgruppen.

Erkundigen Sie sich bei ihrem Doktorvater oder Ihrer Doktormutter an Ihrem Institut oder an der Fakultät nach anderen DoktorandInnen. Vielleicht hat jemand Interesse daran, sich mit Ihnen regelmässig über den Schreibprozess auszutauschen; dabei können auch Leute aus anderen Studienfächern viele Anregungen bieten und Sie motivieren, vor allem wenn es sich um Schreibfragen allgemein, um emotionale Schwierigkeiten oder um Probleme im privaten oder beruflichen Umfeld handelt.

Eine sinnvolle Ergänzung zu solchen Peergroups bildet der Austausch mit FachkollegInnen. Gute Möglichkeiten, solche Kontakte zu knüpfen, bieten Graduate Schools, Schreibworkshops, Doktorandenworkshops, Tagungen oder Kolloquien.

Als Frau können Sie auch bei verschiedenen Mentoring-Projekten Unterstützung finden (siehe unter: Weiterführende Infos).

Die Beratungsstelle der Berner Hochschulen bietet Doktorierenden der Uni Bern im Rahmen von Beratungen/Coachings Unterstützung bei Schreibproblemen, Motivationsschwierigkeiten oder bei der Entscheidungsfindung (z.B. für oder gegen eine Dissertation) an und hilft bei der Klärung Ihrer Situation. Sie führt regelmässig auch Workshops zur Disseration, zum wissenschaftlichen Schreiben u.a. durch.

Ausserhalb des Arbeitsfeldes Universität sind sich die Personalverantwortlichen oft nicht klar darüber, welche speziellen Kompetenzen AkademikerInnen nach der Promotion mitbringen. Das Wissen um Ihre persönlichen Ressourcen und speziellen Schlüsselkompetenzen ist daher für Sie eine relevante Voraussetzung, um Laufbahnentscheide zu treffen und sich in Bewerbungsgesprächen optimal präsentieren zu können.

Schlüsselkompetenzen nach einer Dissertation

Fragen Sie sich, über welche Fähigkeiten, Strategien und Wissenselemente Sie nach dem Abschluss der Dissertation verfügen. Machen Sie sich bewusst, was Sie alles können und „übersetzen“ Sie diese Schlüsselkompetenzen in der Bewerbung so, dass auch Leute ausserhalb der Universität verstehen, welche Ressourcen Sie in die Arbeit einbringen könnten. In einem Bewerbungsgespräch ist es zudem von Vorteil, wenn Sie Ihre Kompetenzen auch mit konkreten Beispielen belegen können.

Der Begriff 'Schlüsselkompetenzen' wird unterschiedlich definiert. Am bekanntesten sind die vier Kategorien Fach-, Selbst-, Methoden- und Sozialkompetenz. Obwohl dieses Modell inhaltlich interessant ist, scheint es zur Beschreibung der Ressourcen von Doktorierten zu wenig differenziert. Zudem gibt es Kompetenzen, die sich mit diesem Modell nicht abbilden lassen, weil sie mehrere Kategorien beinhalten, wie dies zum Beispiel bei der sog. „Teamfähigkeit“ der Fall ist, die sowohl unter Selbst- als auch unter Sozialkompetenz anzusiedeln wäre und je nach zu diskutierenden Inhalten auch die beiden übrigen Kategorien einbeziehen müsste.

Es geht bei Schlüsselkompetenzen nämlich nicht um Berufsfähigkeit im Sinn von „in einer bestimmten Funktion einsetzbar sein“. Es geht auch nicht um Qualifikation im engeren Sinn wie „über spezifische Kenntnisse verfügen“. Die Rede ist von generalisierten Kompetenzen, welche die Bewältigung von unterschiedlichen Arbeitssituationen flexibel steuern können. Dies sind personenbezogene Strategien, die den Umgang mit komplexen beruflichen Herausforderungen ermöglichen, also Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten ohne unmittelbaren und begrenzten Bezug zu bestimmten Tätigkeiten.

In den Jahren des Dissertierens haben Sie Ihre berufliche und persönliche Identität weiterentwickelt und sind damit handlungsfähig geworden in komplexen und unübersichtlichen Arbeitssituationen. Sie haben auch gelernt, eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen und Ressourcen zu nutzen, seien das Ihre eigenen oder im Umfeld vorhandene. Diese Schlüsselkompetenzen könnten wie folgt umschrieben werden (nach: D. Chur, 2002):

  • Aktive Orientierung: Sie sind fähig, eine berufliche Situation angemessen zu erfassen und wissen um Ihre persönlichen Ressourcen. Ein Beispiel: Sie nehmen zum ersten Mal an einer Sitzung in einem neuen Arbeitsteam teil. Sie fragen sich: Was ist meine Rolle in dieser Sitzung? Was wird von mir erwartet? Was will ich selbst erreichen bzw. profitieren? Eine ähnlich komplexe Aufgabe stellt sich Ihnen, wenn Sie im Rahmen einer Stellenbewerbung an einem Assessment teilnehmen. Die Situationserfassung beinhaltet soziale Komponenten, sofern andere Personen einbezogen werden müssen. Sie beinhaltet auch fachliche Aspekte, wenn eine berufliche Situation eingeschätzt werden muss. Aktive Orientierung ist somit Ausgangspunkt komplexen beruflichen Handelns.
     
  • Zielbewusstes Handeln: In einem sich ständig verändernden beruflichen Umfeld ist eine lineare Verfolgung eines einmal gesetzten Ziels nicht immer möglich. Zielbewusstes Handeln erfordert eine hohe Flexibilität, die Fähigkeit, sich ständig neu zu orientieren, zu reagieren und sich laufend neue Kompetenzen anzueignen, dabei eigene Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Ein Beispiel: An Ihrem Arbeitsplatz wechselt die Projektleitung. Es werden neue Anforderungen an Sie herangetragen, Sie müssen beispielsweise bei der Datenauswertung ein neues statistisches Verfahren einbeziehen. Dabei gilt es, den Zeitplan Ihres Projektes einzuhalten.
     
  • Selbstgesteuertes Lernen: Es geht dabei nicht nur um die Erweiterung und Ergänzung fachlichen Wissens, sondern auch um die Weiterentwicklung der Lernkompetenzen selbst. Dieser Entwicklungsprozess geschieht zu einem grossen Teil eigenverantwortlich und wird in anspruchsvollen beruflichen Situationen von den Beteiligten erwartet. Zum Beispiel das Verfassen von Arbeitsberichten: Sie wissen, wie Sie sich am besten einen Überblick über die relevante Fachliteratur verschaffen. Sie haben eine Vorstellung davon, wie Sie den Schritt zur Erstellung eines Grobkonzepts gestalten könnten. Und während des Schreibens: Sie wissen, dass der Schreibprozess nicht linear vor sich geht. Sie können auch mit Schreibblockaden umgehen, verfügen z.B. über kreative Techniken, die den Schreibprozess wieder in Gang bringen können.
     
  • Kommunikation und Kooperation: Hier geht es um die Fähigkeit, sich in einen Arbeitsprozess einzubringen, die Inhalte auch aus der Perspektive Anderer zu verstehen, sachliche Differenzen auszuhalten und angemessen zu diskutieren, sich innerhalb einer Arbeitsgruppe zu organisieren, die gemeinsame sowie die individuelle Verantwortung zu erkennen und zu übernehmen. Diese Kompetenzen nutzen Sie bei Präsentationen und in Fachdiskussionen.
     
  • Konkrete Fähigkeiten: z.B. Zeitmanagement, Gesprächsführung, Projektmanagement u.a., aber auch Umgehen mit Stress und Belastungen.

Sie können sich selbst ein Bild über Ihre persönlichen Ressourcen machen, indem Sie sie visualisieren, z.B. als Cluster oder als Mind Map. Auch der Leitfaden zur Erstellung eines eigenen Kompetenzprofils, den die Beratungsstelle der Berner Hochschulen anbietet (siehe Link unter: Weiterführende Infos), kann Sie bei der Auseinandersetzung mit Ihren Kompetenzen unterstützen.

Achten Sie beim Verfassen Ihres Bewerbungsdossiers darauf, dass Ihre speziellen Schlüsselkompetenzen erkennnbar werden, und beschreiben Sie sie im Bewerbungsgespräch anhand konkreter Arbeitssituationen. Vielleicht ist es für Sie einfacher, im Gespräch mit anderen Leuten den eigenen Schlüsselkompetenzen auf die Spur zu kommen. Bei Ihren GesprächspartnerInnen kann es sich um Personen aus Ihrem persönlichen Umfeld handeln oder auch um einen professionellen Coach.

Wenn Sie sich selbst über Ihre speziellen Fähigkeiten klar geworden sind, wird es Ihnen gelingen, sich in Bewerbungssituationen überzeugend darzustellen!

Bücher

Knigge-Illner, Helga
Der Weg zum Doktortitel. Strategien für die erfolgreiche Promotion.
Campus Verlag, Frankfurt und New York, 2015 (3. Aufl.)

Pyerin, Brigitte
Kreatives wissenschaftliches Schreiben. Tipps und Tricks gegen Schreibblockaden.
Juventa Verlag, Weinheim und München, 2014 (4. Aufl.)

Stock, Steffen / Schneider, Patricia et al. (Hrsg.)
Erfolgreich promovieren. Ein Ratgeber von Promovierten für Promovierende.
Springer-Verlag, Berlin und Heidelberg 2014 (3. Aufl.)

Wergen, Jutta
Promotionsplanung und Exposée. Die ersten Schritte auf dem Weg zur Dissertation.
Opladen, Barbara Budrich Verlag, 2014

Wymann, Christian
Der Schreibzeitplan. Zeitmanagement für Schreibende.
Opladen, Barbara Budrich Verlag, 2015

Diese Bücher können in der Bibliothek der Beratungsstelle, Erlachstrasse 17, Bern, auch ausgeliehen werden.