Studienführer Universität Bern

Diss - ja oder nein? Anregungen zur Entscheidungsfindung

Für Ihre Entscheidungsfindung, eine Disseration zu machen oder nicht, bieten wir Ihnen hier einige Anregungen und Hilfestellungen zu möglichen Laufbahnvorstellungen, zum Stellenwert des fachlichen Interesses und zum Einbezug der persönlichen Lebenssituation.

Laufbahnvorstellungen

Dazu gehört die Überlegung, ob eine wissenschaftliche Qualifikation, wie sie eine Dissertation darstellt, für Ihre weitere berufliche Laufbahn wichtig oder sogar notwendig ist. Wenn Sie eine Hochschulkarriere anstreben, ist eine Dissertation beispielsweise unabdingbar. Aber auch in Forschungszentren ausserhalb der Universität wird ein Doktoratsabschluss häufig vorausgesetzt.

Zudem wird je nach Studienfach und Fakultät der Stellenwert eines Doktorats unterschiedlich beurteilt. An der medizinischen Fakultät schliesst der grösste Teil der Studierenden mit dem Doktorat ab, der Doktortitel ist nach wie vor Teil der beruflichen Identität und wird von den PatientInnen auch so wahrgenommen. In den naturwissenschaftlichen Disziplinen wird ein Doktoratsabschluss oft gewünscht. Immerhin schreibt an der naturwissenschaftlichen Fakultät noch ein gutes Drittel der AbsolventInnen eine Dissertation. An den übrigen Fakultäten ist der Anteil der Doktorierenden deutlich kleiner, der Stellenwert einer Dissertation hat in diesen Disziplinen je nach Kontext unterschiedliches Gewicht.

Fachliches Interesse

Die Entscheidung für eine Dissertation sollte sich zudem am persönlichen fachlichen Interesse orientieren. Dazu gehören beispielsweise das Interesse am gewählten Thema, aber auch Freude an Tätigkeiten, die das wissenschaftliche Arbeiten ausmachen. Das Schreiben selbst und der Umgang mit Texten sollten Ihnen leicht fallen. Ausserdem sollten Sie eine hohe Motivation mitbringen, gestellte Forschungsfragen theoretisch zu analysieren und differenzierte Lösungsansätze zu deren Bearbeitung zu entwickeln. Wichtig ist auch die Bereitschaft, gemäss den vorgegebenen methodologischen Vorgehensweisen des jeweiligen Fachgebiets zu arbeiten.

Persönliche Lebenssituation

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Dissertation sollte auch die private Lebenssituation einbezogen werden: Lässt sich beispielsweise ein Doktoratsstudium mit Ihrer familiären Situation oder Ihnen wichtigen Freizeitaktivitäten vereinbaren? Würde Ihre Entscheidung von Ihrem Umfeld unterstützt und mitgetragen? Und schliesslich sind auch ökonomische Aspekte zu berücksichtigen. Da Doktorandengehälter meistens nicht sehr hoch sind, gilt es zu überlegen, ob es für Sie machbar ist, für etwa weitere drei bis vier Jahre mit einem eher geringen Einkommen auszukommen.

Ebenso unterschiedlich wie der Stellenwert des Doktorats an den verschiedenen Fakultäten sind die Arbeitsbedingungen der einzelnen DoktorandInnen. Sowohl der zeitliche Aufwand als auch die Betreuungssituation gestalten sich individuell in Abhängigkeit vom Dissertationsthema, der Betreuungsperson sowie den ökonomischen und sozialen Arbeitsbedingungen.

Aus dieser Vielfalt von Kriterien ergibt sich eine komplexe individuelle Ausgangssituation. Es ist daher wichtig, sich für den Entscheidungsprozess genügend Zeit zu nehmen, müssen doch viele Aspekte gegeneinander abgewogen werden. Falls dies gewünscht ist, kann auch die Beratungsstelle der Berner Hochschulen in solch komplexen Entscheidungssituationen professionelle Hilfestellung bieten.