Beratungsstelle der Berner Hochschulen

Berufseinstieg, Schlüsselkompetenzen

Ausserhalb des Arbeitsfeldes Universität sind sich die Personalverantwortlichen oft nicht klar darüber, welche speziellen Kompetenzen AkademikerInnen nach der Promotion mitbringen. Das Wissen um Ihre persönlichen Ressourcen und speziellen Schlüsselkompetenzen ist daher für Sie eine relevante Voraussetzung, um Laufbahnentscheide zu treffen und sich in Bewerbungsgesprächen optimal präsentieren zu können.

Schlüsselkompetenzen nach einer Dissertation

Fragen Sie sich, über welche Fähigkeiten, Strategien und Wissenselemente Sie nach dem Abschluss der Dissertation verfügen. Machen Sie sich bewusst, was Sie alles können und „übersetzen“ Sie diese Schlüsselkompetenzen in der Bewerbung so, dass auch Leute ausserhalb der Universität verstehen, welche Ressourcen Sie in die Arbeit einbringen könnten. In einem Bewerbungsgespräch ist es zudem von Vorteil, wenn Sie Ihre Kompetenzen auch mit konkreten Beispielen belegen können.

Der Begriff 'Schlüsselkompetenzen' wird unterschiedlich definiert. Am bekanntesten sind die vier Kategorien Fach-, Selbst-, Methoden- und Sozialkompetenz. Obwohl dieses Modell inhaltlich interessant ist, scheint es zur Beschreibung der Ressourcen von Doktorierten zu wenig differenziert. Zudem gibt es Kompetenzen, die sich mit diesem Modell nicht abbilden lassen, weil sie mehrere Kategorien beinhalten, wie dies zum Beispiel bei der sog. „Teamfähigkeit“ der Fall ist, die sowohl unter Selbst- als auch unter Sozialkompetenz anzusiedeln wäre und je nach zu diskutierenden Inhalten auch die beiden übrigen Kategorien einbeziehen müsste.

Es geht bei Schlüsselkompetenzen nämlich nicht um Berufsfähigkeit im Sinn von „in einer bestimmten Funktion einsetzbar sein“. Es geht auch nicht um Qualifikation im engeren Sinn wie „über spezifische Kenntnisse verfügen“. Die Rede ist von generalisierten Kompetenzen, welche die Bewältigung von unterschiedlichen Arbeitssituationen flexibel steuern können. Dies sind personenbezogene Strategien, die den Umgang mit komplexen beruflichen Herausforderungen ermöglichen, also Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten ohne unmittelbaren und begrenzten Bezug zu bestimmten Tätigkeiten.

In den Jahren des Dissertierens haben Sie Ihre berufliche und persönliche Identität weiterentwickelt und sind damit handlungsfähig geworden in komplexen und unübersichtlichen Arbeitssituationen. Sie haben auch gelernt, eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen und Ressourcen zu nutzen, seien das Ihre eigenen oder im Umfeld vorhandene. Diese Schlüsselkompetenzen könnten wie folgt umschrieben werden (nach: D. Chur, 2002):

  • Aktive Orientierung: Sie sind fähig, eine berufliche Situation angemessen zu erfassen und wissen um Ihre persönlichen Ressourcen. Ein Beispiel: Sie nehmen zum ersten Mal an einer Sitzung in einem neuen Arbeitsteam teil. Sie fragen sich: Was ist meine Rolle in dieser Sitzung? Was wird von mir erwartet? Was will ich selbst erreichen bzw. profitieren? Eine ähnlich komplexe Aufgabe stellt sich Ihnen, wenn Sie im Rahmen einer Stellenbewerbung an einem Assessment teilnehmen. Die Situationserfassung beinhaltet soziale Komponenten, sofern andere Personen einbezogen werden müssen. Sie beinhaltet auch fachliche Aspekte, wenn eine berufliche Situation eingeschätzt werden muss. Aktive Orientierung ist somit Ausgangspunkt komplexen beruflichen Handelns.
     
  • Zielbewusstes Handeln: In einem sich ständig verändernden beruflichen Umfeld ist eine lineare Verfolgung eines einmal gesetzten Ziels nicht immer möglich. Zielbewusstes Handeln erfordert eine hohe Flexibilität, die Fähigkeit, sich ständig neu zu orientieren, zu reagieren und sich laufend neue Kompetenzen anzueignen, dabei eigene Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Ein Beispiel: An Ihrem Arbeitsplatz wechselt die Projektleitung. Es werden neue Anforderungen an Sie herangetragen, Sie müssen beispielsweise bei der Datenauswertung ein neues statistisches Verfahren einbeziehen. Dabei gilt es, den Zeitplan Ihres Projektes einzuhalten.
     
  • Selbstgesteuertes Lernen: Es geht dabei nicht nur um die Erweiterung und Ergänzung fachlichen Wissens, sondern auch um die Weiterentwicklung der Lernkompetenzen selbst. Dieser Entwicklungsprozess geschieht zu einem grossen Teil eigenverantwortlich und wird in anspruchsvollen beruflichen Situationen von den Beteiligten erwartet. Zum Beispiel das Verfassen von Arbeitsberichten: Sie wissen, wie Sie sich am besten einen Überblick über die relevante Fachliteratur verschaffen. Sie haben eine Vorstellung davon, wie Sie den Schritt zur Erstellung eines Grobkonzepts gestalten könnten. Und während des Schreibens: Sie wissen, dass der Schreibprozess nicht linear vor sich geht. Sie können auch mit Schreibblockaden umgehen, verfügen z.B. über kreative Techniken, die den Schreibprozess wieder in Gang bringen können.
     
  • Kommunikation und Kooperation: Hier geht es um die Fähigkeit, sich in einen Arbeitsprozess einzubringen, die Inhalte auch aus der Perspektive Anderer zu verstehen, sachliche Differenzen auszuhalten und angemessen zu diskutieren, sich innerhalb einer Arbeitsgruppe zu organisieren, die gemeinsame sowie die individuelle Verantwortung zu erkennen und zu übernehmen. Diese Kompetenzen nutzen Sie bei Präsentationen und in Fachdiskussionen.
     
  • Konkrete Fähigkeiten: z.B. Zeitmanagement, Gesprächsführung, Projektmanagement u.a., aber auch Umgehen mit Stress und Belastungen.

Sie können sich selbst ein Bild über Ihre persönlichen Ressourcen machen, indem Sie sie visualisieren, z.B. als Cluster oder als Mind Map. Auch der Leitfaden zur Erstellung eines eigenen Kompetenzprofils, den die Beratungsstelle der Berner Hochschulen anbietet (siehe Link unter: Weiterführende Infos), kann Sie bei der Auseinandersetzung mit Ihren Kompetenzen unterstützen.

Achten Sie beim Verfassen Ihres Bewerbungsdossiers darauf, dass Ihre speziellen Schlüsselkompetenzen erkennnbar werden, und beschreiben Sie sie im Bewerbungsgespräch anhand konkreter Arbeitssituationen. Vielleicht ist es für Sie einfacher, im Gespräch mit anderen Leuten den eigenen Schlüsselkompetenzen auf die Spur zu kommen. Bei Ihren GesprächspartnerInnen kann es sich um Personen aus Ihrem persönlichen Umfeld handeln oder auch um einen professionellen Coach.

Wenn Sie sich selbst über Ihre speziellen Fähigkeiten klar geworden sind, wird es Ihnen gelingen, sich in Bewerbungssituationen überzeugend darzustellen!